Pressfliesen sind im holztechnischen Sinne Flachpressplatten, also Holzspanplatten, die aus beleimten Holzspänen unter Wärme und Druck in mehreren Schichten gefertigt werden. Der Fachbegriff laut DIN EN 309 lautet Spanplatte, wobei Flachpressplatten die größte und bekannteste Untergruppe bilden. Wer nach „Pressfliesen“ sucht, meint je nach Kontext entweder diese Holzwerkstoffplatten oder industriell gepresste Zement- bzw. Keramikfliesen. Beide Bedeutungen existieren nebeneinander, unterscheiden sich aber grundlegend in Material, Herstellung und Einsatz.

Kurz zur Orientierung:

  • Flachpressplatten (Pressspanplatten): Holzspanwerkstoff, mehrschichtig, verleimt, gepresst, vor allem im Möbel- und Innenausbau
  • Strangpressplatten: Späne senkrecht zur Plattenebene, weniger biegesteif, für Verkleidungen und Türfüllungen
  • Zementfliesen (mineralische Pressfliesen): ohne Brennvorgang, hydraulisch gepresst, offenporig, für Böden und Wände
  • Keramische Fliesen: gebrannt, glasiert oder unglasiert, wasserbeständig

Wie werden Flachpressplatten (Pressspanplatten) hergestellt?

Der Herstellungsprozess folgt einem klar definierten Ablauf, bei dem jeder Schritt die spätere Qualität der Platte bestimmt.

  1. Rohstoffgewinnung und Zerspanung: Überwiegend Nadelholz wird durch Hacker und Zerspaner zu Spänen unterschiedlicher Größe zerkleinert. Grobe Späne landen in der Mittellage, feinere werden für die Deckschichten reserviert.

  2. Trocknung: Die Späne müssen auf eine definierte Sollfeuchte gebracht werden, da feuchte Späne beim Pressen Dampfblasen erzeugen und die Platte zerstören können. Decklagen brauchen Feuchte in einem definierten niedrigen Bereich, Mittellagen sind feuchter, um die Qualität der Platte zu sichern.

  3. Beleimung: Über Bunker werden die getrockneten Späne zur Beleimungsstation gefördert. Kunstharzleim wird gleichmäßig aufgetragen, wobei die Leimklasse (V20 bis V100G) je nach geplantem Einsatzbereich gewählt wird.

  4. Windwurfstreuung: Eine Windwurfmaschine sorgt dafür, dass die feinsten Späne an die Oberfläche gelangen und die gröbsten in der Mitte des Vlieses landen. Dieser Übergang ist fließend, nicht abrupt.

  5. Pressen unter Druck und Wärme: Das Vlies durchläuft eine kontinuierliche Presse bei rund 200 °C. Moderne Anlagen arbeiten als Endlos-Bandpressen und produzieren eine „unendliche“ Platte, die anschließend auf Länge gesägt wird.

  6. Konditionierung: Nach dem Pressen lagern die Platten etwa eine Woche, damit sich Wärme und Feuchtigkeit im Material ausgleichen.

  7. Besäumen und Schleifen: Die Kanten werden besäumt, die Breitfläche geschliffen. Anfallender Staub geht teilweise zurück in die Deckschichtproduktion, der Rest wird zur Energiegewinnung verbrannt.


Welche Klassen und technischen Eigenschaften haben Flachpressplatten?

Flachpressplatten bestehen aus drei bis fünf Schichten beleimter Späne, wobei die äußeren Lagen stets feiner sind als die Mittellage. Die Rohdichte beträgt etwa 660 kg/m³, was sie deutlich leichter als Vollholz macht, aber schwerer als viele andere Plattenwerkstoffe.

Merkmal Einschichtplatte Dreischichtplatte Mehrschichtplatte
Schichtaufbau homogen Kern grob, Deck fein mehrere Übergänge
Oberfläche mittel gut sehr gut
Typische Verwendung Unterböden Möbelbau Dekoranwendungen
Leimklasse (trocken) V20 V20 V20
Leimklasse (feucht) V100 V100 V100G

Übersicht: Verschiedene Flachpressplatten im Vergleich – Typen und Eigenschaften auf einen Blick

Die Leimklassen regeln die Feuchtebeständigkeit: V20 gilt für trockene Innenräume, V100 für gelegentlich feuchte Bereiche, V100G zusätzlich mit pilzhemmenden Mitteln für dauerhaft feuchte Umgebungen. Wer diese Klassen ignoriert, riskiert aufquellende Platten und Schimmelbildung.

Profi-Tipp: Bei Sanierungen in Böblingen oder Sindelfingen, wo Altbauten oft schlecht gedämmte Kellerräume haben, sollte man Pressspanplatten im Bodenbereich grundsätzlich nur in V100 oder V100G einsetzen.


Wo lassen sich Flachpressplatten sinnvoll einsetzen?

Pressspanplatten sind im Innenausbau Zentraleuropas weit verbreitet, weil sie günstig, gut verarbeitbar und in vielen Stärken verfügbar sind.

  • Möbelbau: Küchenfronten, Schrankkorpusse, Regale. Die beschichtete Oberfläche nimmt Dekorfolien, Furnier oder Lack gut an.
  • Unterkonstruktionen im Trockenbau: Als Unterbodenplatten oder hinter Wandverkleidungen, sofern die Leimklasse zur Raumfeuchte passt.
  • Wandverkleidungen: Im Wohnbereich, wo keine direkte Feuchtigkeitsbelastung besteht.
  • Gewerblicher Innenausbau: Ladeneinrichtungen, Messebau, Büromöbel.

Pressspanplatten ohne Feuchteschutz sind für Badrenovierungen ungeeignet. Wer in Calw oder Herrenberg ein Bad saniert und Spanplatten als Unterkonstruktion einplant, braucht zwingend V100G und eine zusätzliche Abdichtung. Für Feuchträume sind keramische Fliesen die dauerhaftere Wahl.

Und im Trockenbau gilt: Flachpressplatten im Möbelbau und als Unterkonstruktion funktionieren gut, solange die Feuchtigkeitsverhältnisse stimmen.


Holzspan oder Mineral? Pressfliesen im Vergleich

Der Begriff „Pressfliese“ bezeichnet je nach Branche völlig unterschiedliche Produkte. Im Holzbau ist es die Flachpressplatte aus Holzspänen. Im Fliesenhandwerk meint man damit meist Zementfliesen, die ohne Brennvorgang hydraulisch gepresst werden. Im Metallbau wiederum bezeichnet man farbbeschichtete, wellenförmige Stahlbleche als Pressfliesen, die etwa zur Dacheindeckung eingesetzt werden.

Im Innenbereich sorgen Holzspanplatten für eine warme Atmosphäre, während im Außenbereich robuste Zementfliesen mit mineralischer Optik zum Einsatz kommen.

Eigenschaft Flachpressplatte (Holz) Zementfliese (mineralisch)
Ausgangsmaterial Holzspäne, Kunstharzleim Zement, Gesteinsmehl, Pigmente
Herstellung Pressen unter Wärme hydraulisches Pressen, kein Brand
Oberfläche beschichtbar, glatt offenporig, matt
Feuchtebeständigkeit nur mit V100/V100G bedingt, Versiegelung nötig
Typischer Einsatz Möbel, Innenausbau Böden, Wände, historische Gebäude
Pflege trocken halten, nicht wischen versiegeln, säurefrei reinigen

Zementfliesen sind offenporig und saugen Flüssigkeiten schnell auf. Ohne Versiegelung entstehen Flecken, die sich kaum entfernen lassen. Keramische Fliesen und Feinsteinzeug sind in dieser Hinsicht pflegeleichter.


Was Fliesen-kugel aus der Praxis weiß

In der täglichen Arbeit von Fliesen-kugel im Raum Herrenberg, Calw und Böblingen taucht die Begriffsverwirrung rund um Pressfliesen regelmäßig auf. Kunden fragen nach „Pressfliesen“ und meinen damit mal Spanplatten als Unterkonstruktion, mal historische Zementfliesen für ein Altbaubad.

Fliesen-kugel berät Kunden in Sindelfingen, Nagold und Umgebung konkret zur Materialwahl und übernimmt die fachgerechte Verlegung. Wer professionelle Fliesenarbeiten plant, findet dort Antworten auf genau diese Fragen.


Wie verlegt und verarbeitet man Flachpressplatten richtig?

Flachpressplatten lassen sich mit Standardwerkzeug sägen, bohren und fräsen. Für saubere Ergebnisse gelten einige Grundregeln.

Ein Handwerker schneidet eine Spanplatte fachgerecht in seiner ordentlich aufgeräumten Werkstatt zurecht.

Beim Zuschnitt empfiehlt sich ein feines Sägeblatt, um Ausrisse an der Oberfläche zu vermeiden. Kanten sind grundsätzlich zu versiegeln oder zu bearbeiten, da Spanplatten an offenen Kanten besonders feuchtigkeitsempfindlich sind. Schrauben halten in Spanplatten gut, wenn der Abstand zur Kante mindestens das Dreifache des Schraubendurchmessers beträgt. Dübel funktionieren in der Mittellage schlechter als in Vollholz, spezielle Spanplattendübel schaffen Abhilfe.

Für die Verlegung als Unterboden werden die Platten schwimmend oder verschraubt verlegt, mit einer Dehnungsfuge von etwa 3 mm an den Wänden. Fugen zwischen den Platten werden versetzt, nie kreuzweise. Wer Spanplatten als Wandverkleidung einsetzt, sollte die Hinterlüftung nicht vergessen, besonders in Räumen mit wechselnder Luftfeuchtigkeit wie Küchen.


Wichtige Erkenntnisse

Flachpressplatten sind der am häufigsten verwendete Holzwerkstoff im Innenausbau Zentraleuropas, aber nur mit der richtigen Leimklasse dauerhaft einsetzbar.

Thema Details
Definition Pressfliesen Flachpressplatten sind mehrschichtige Holzspanplatten, gepresst unter Wärme und Druck laut DIN EN 309.
Leimklassen entscheidend V20 für trockene Räume, V100 für feuchte Bereiche, V100G mit Pilzschutz für Dauerfeuchtigkeit.
Rohdichte Flachpressplatten haben eine Rohdichte von etwa 660 kg/m³.
Abgrenzung Zementfliesen Zementfliesen sind mineralisch gebunden, offenporig und werden ohne Brennvorgang hergestellt.
Feuchtraum-Empfehlung Für Bäder und Feuchträume sind Keramik oder Feinsteinzeug die dauerhaftere Wahl gegenüber Spanplatten.

FAQ

Was ist der Unterschied zwischen OSB- und Spanplatten?

OSB (Langpressspanplatten) bestehen aus langen, ausgerichteten Holzspänen und sind deutlich biegesteifer als Flachpressplatten, die aus zufällig orientierten Spänen gepresst werden. OSB wird vor allem im konstruktiven Holzbau eingesetzt, Spanplatten im Möbel- und Innenausbau.

Was kann man mit Pressspanplatten machen?

Pressspanplatten eignen sich für Möbelkorpusse, Unterböden, Wandverkleidungen und Trockenbaukonstruktionen im Innenbereich. Für Feuchträume sind nur Platten mit Leimklasse V100 oder V100G geeignet.

Welche Nachteile haben Spanplatten?

Spanplatten quellen bei Feuchtigkeitseintrag auf und verlieren dauerhaft an Festigkeit. Kanten sind besonders empfindlich, und die Schraubenhaltefähigkeit ist geringer als bei Vollholz oder Sperrholz.

Was sind Pressholzplatten?

Pressholzplatten ist ein umgangssprachlicher Oberbegriff für verschiedene Holzwerkstoffplatten, darunter Flachpressplatten (Spanplatten), Sperrholz und MDF. Im engeren Sinne meint man damit meist Spanplatten aus beleimten Holzspänen.

Sind Pressfliesen dasselbe wie Zementfliesen?

Nein. Im Fliesenhandwerk bezeichnet „Pressfliese“ oft eine hydraulisch gepresste Zementfliese ohne Brennvorgang. Im Holzbau meint der Begriff eine Flachpressplatte aus Holzspänen. Beide Produkte werden gepresst, bestehen aber aus völlig unterschiedlichen Materialien.

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